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Zum Ende der Seite springen Ist Zuhören heute unzeitgemäß?
Autor
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Lene Lene ist weiblich
Tinnitussi


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Dabei seit: 26.07.2006
Beiträge: 1.875
Herkunft: Ffm

18.07.2010 um 14:57 Uhr  

Zitat:
Original von Velvet
Wer dann mehr redet, ob das ausgeglichen ist, ist dann letztlich egal, solange beide Seiten den Raum bekommen, den sie brauchen. Und solange beide Seiten aufeinander eingehen.


Das sehe ich ähnlich - ein gutes Gespräch zeigt sich in der Qualität (für beide Seiten) und nicht in der anteilsmäßigen Quantität.

Ich will mal von den guten Ratschlägen weg und mich wieder auf die Beobachtungen und deren Deutungen verlagern...

Auch ich beobachte diese Aufmerksamkeitsverschiebung set längerem - bei mir und bei anderen! Teilweise ist diese Beobachtung vermutlich eine Konzentration auf das Problem: wenn ich mich ein-, zwei-, dreimal über ein solches Gespräch geärgert habe, fällt mir das vierte und fünfte Mal natürlich erst recht auf. Zum anderen kann es aber auch an den vielen Anforderungen liegen, denen wir ausgesetzt sind:

Wir müssen viele Bereiche unseres Lebens miteinader abstimmen und in den einzelnen Bereichen jeweils multitaskingfähig sein. Allein beim Autofahren achte ich nicht mehr nur auf Verkehr und Bedienung des Autos, sondern auf den Verkehrsfunk, der die Musik plötzlich unterbricht, das Navi, ändere womöglich dabei noch eine Einstellung, ... ähnlich auf der Arbeit. Selbst die Nachrichten der Öffentlichen packen mehr Informationen in das, was der Zuschauer sieht, als früher, von den Randwerbeeinblendungen der Privaten ganz zu schweigen. Das soll kein Klagen über moderne Zeiten sein, sondern: Dieses permanente Switchen der Aufmerksamkeit hinterlässt Spuren in allen Bereichen. Dazu muss man gar nicht mal den Arbeitsstress innerlich mit zum Plauderstündchen mitgenommen haben. Man ist einfach permanent in Aufnahmebereitschaft - und geteilte Aufmerksamkeit ist eben halbe Aufmerksamkeit.

Bei manchen Personen sehe ich geradezu, ob sie gerade anwesend sind oder nicht. Das kann ganz banal durch Hunger ausgelöst sein... da hilft auch alles Nachfragen nach der Befindlichkeit des anderen nichts. Der Person ist es dann peinlich, dass sie sichtbar nicht zugehört hat, kann aber an der Situation (erstmal) nichts ändern. Dann spare ich mir persönlich die Energie weiterzuerzählen. Ein Gesprächsabbruch wird nämlich, sarkastischer Vorteil, dann auch nicht immer wahrgenommen...

Umgekehrt kann es aber auch passieren, dass ich erzähle und erzähle, in meinem Kopf ist ja alles klar sortiert, aber die andere Person kann trotz aller Aufmerksamkeit nicht folgen. Klar kann man nachfragen, aber irgendwann ist es einem dann auch zu peinlich, immer wieder nachzufragen - oder?

Beide Beispiele treffen so durchaus auf mich in beiden Rollen zu, und es ärgert mich, ich weiß aber nicht, wie man da gegensteuern kann. Außer eben "Tut mir Leid, ich bin gerade nicht aufnahmebereit" und dann im Laufe des Gesprächs nach einer kleinen Smalltalkphase zur Steigerung der Aufmerksamkeit hoffentlich wieder darauf zurückkommen...

Signatur

... wir sollten damit aufhören ... grins
---
Er besaß die Fähigkeit, alle Sensoren für Zwischenmenschliches abzuschalten und die Signale zu ignorieren, denen der Mensch von Seiten seiner Artgenossen permanent ausgesetzt ist. Smutek beherrschte den Autismus auf Kommando. (Juli Zeh)


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